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Surface Piercings

Surface Piercings - Schmuckformen & Techniken

Surface Piercings haben allzu oft einen eher schlechten Ruf.
Meistens hört man dass diese schnell herauswachsen oder Probleme bereiten. 
Dies hängt leider viel zu oft damit zusammen dass falscher/ungeeigneter Schmuck verwendet wird, bei der Wahl der Platzierung wichtige Faktoren nicht berücksichtigt werden oder die Schmuckqualität einfach schlecht ist und dadurch Reizungen hervorruft. Korrekt Platziert und mit der richtigen Schmuckauswahl können jedoch auch Surface Piercings viele Jahre problemlos getragen werden.

In diesem Beitrag möchte ich euch ein wenig über Schmuck, Platzierung und häufige Fehler bei Surface Piercings erzählen.

Was ist eigentlich ein Surface Piercing?

Als Surface Piercing werden Oberflächen Piercings bezeichnet bei denen Ein- und Austritt des Stichkanals auf einer Ebene liegen, welche mit einem Stab miteinander verbunden sind. Meist benannt mit der englischen oder lateinischen Entsprechung der Platzierung des Piercings.
Verbreitete Platzierungen sind z.B. im Dekoltée/auf dem Brustbein (Sternum), im Nacken (Nape), vor dem Tragus (Sideburn), unterhalb des Schlüsselbeins (Clavicle) oder in der Hüfte (Hip). 

Wo liegt die Schwierigkeit?

Zunächst ist es wichtig dass der verwendete Schmuck möglichst Spannungsfrei sitzt. D.h. beim einsetzen muss zuvor genau geschaut werden in wie weit sich das Gewebe bei Bewegung verändert, welche Schmuckform am besten geeignet ist, welche äußeren Einflüsse auf das Piercing einwirken können (beispielsweise Anschnallgurte, BH-Träger etc.) uvm.
Daher sollte das Piercing von jemandem durchgeführt werden der damit Erfahrung hat und weiß welcher Schmuck an welcher Stelle am besten geeignet ist und nicht von dem Studio das den günstigsten Preis anbietet (dafür aber falschen Schmuck nutzt).
Grundsätzlich lässt sich sagen dass bei Surface Piercings in den meisten Fällen auch Surface Bars am besten geeignet sind die speziell für diesen Zweck designed wurden. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Insbesondere bei Piercings die keine "echten" Surface Piercings sind sondern eher eine Mischung aus Surface und normalem Piercing (wie beispielsweise Christina Piercings) können auch andere Schmuckformen zu besseren Ergebnissen führen.

Surface oder einfach nur Mist?

Nicht alles was als Surface Piercing bezeichnet wird hat den Namen auch verdient. 

Wie anhand der Grafik sehr gut erklärt ist, sind Bananen- und PTFE (Teflon) Stecker in den wenigsten Fällen für Surface Piercings geeignet. 
Nicht jedes Piercing das mit solchen Stäben gestochen wurde muss zwangsläufig Probleme bereiten, aber die Wahrscheinlichkeit ist um ein Vielfaches höher als bei adäquatem Schmuck.
Da diese Stecker aufgrund ihrer Form permanent Spannung erzeugen neigen die Piercings dazu ständig gerötet und gereizt zu sein, meist sehr schnell herauszuwachsen oder sich zu entzünden. 

Gänzlich ungeeignet sind natürlich auch gerade Barbells (wie sie für Zungen- oder Brustpiercings verwendet werden). Dass diese innerhalb kürzester Zeit herauswachsen dürfte sich von selbst erklären.

(Grafik aus dem Expand Magazin Juli 2006)
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Surface Bar

Als Surface Bar werden Stecker bezeichnet welche an den Enden gebogen sind (bzw. durch versch. Herstellungsarten in die gewünschte Form gebracht werden). 

Hier zu sehen ein klassischer Surface Bar mit Außengewinde.

Die Form des Schmucks ist schon ein guter Anfang und wenn Dir ein Studio solchen Schmuck einsetzen möchte ist es immerhin kein Grund schreiend wegzurennen (im Gegensatz zu Bananen- oder Teflonsteckern). 
Ich nutze seit geraumer Zeit keinen Schmuck mehr mit Außengewinde da es durch die Kugeln gerne zu Problemen kommen kann da man daran eher hängen bleibt.

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Surface Bar Innengewinde

Surface Bars mit Innengewinde verwende ich bereits seit vielen Jahren. 

Das Innengewinde hat hier zahlreiche Vorteile. Unter anderem können besonders flache Aufsätze verwendet werden (identisch wie bei Dermal Anchor) bei denen die Gefahr hängen zu bleiben drastisch reduziert wird. 
Ein weiterer großer Vorteil ist dass im Falle einer Anpassung des Schmucks - also z.B. wenn der Stichkanal sich verkürzt und ein kürzerer Stecker nötig wird - dieser Schmuck mittels eines Tapers problemlos getauscht werden kann ohne mit dem Gewinde den Stichkanal zusätzlich zu belasten.

Standard Surface Bars können an verschiedenen Stellen sinnvoll sein da sie ein wenig mehr Bewegung zulassen während Flat Surface Bars hier keine Flexibilität bieten.

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Flat Surface Bar

Hier ein sog. Flat Surface Bar von Industrial Strength USA
Bei vielen Platzierungen ist dies meine erste Wahl beim Schmuck. Durch das flache Profil des Stabes erhält man im Stichkanal eine etwas größere und flache Auflagefläche als bei einem runden Stabprofil. Dadurch wird herauswachsen zusätzlich reduziert. 
Zudem sitzt dieser Schmuck durch seine Form stark fixiert im Stichkanal und lässt sich problemlos durch biegen an verschiedene Körperstellen anpassen. 
Nachteilig kann die stärkere Fixierung jedoch bei verschiedenen Stellen sein bei denen die Haut mehr Bewegung zulässt/erfordert. Hier liegt es letztendlich an der Erfahrung des Piercers sich für entsprechenden Schmuck zu entscheiden.

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Bezel Set

Eine der vielen Möglichkeiten ist auch die Verwendung von Bezel Set Aufsätzen. Im Bild zu sehen von Anatometal mit weißem Swarovski Zirkonia.

Diese etwas höheren Aufsätze benutze ich ganz gerne an verschiedenen Stellen an denen hängen bleiben eher weniger problematisch ist. Durch die etwas höhere Bauform können hier Swarovski Zirkonia eingesetzt werden welche weitaus mehr Brillianz haben als normale Kristalle.

Aber auch die Verwendung von zahlreichen anderen Aufsätzen wie Blümchen, Sternen uvm. ist möglich, sofern die Platzierung es zulässt.

Techniken

Prinzipiell führen wie so oft verschiedene Wege zum Ziel. 
Egal wie ein Surface Piercing gestochen wird sollte der Piercer jedoch mit der Technik vertraut sein und wissen warum er wann was tut... 
Immer mehr Kollegen sind in den letzten Jahren zur sogenannten Punch & Taper Methode übergegangen. Hierbei werden, ähnlich wie bei Dermal Anchor, zunächst zwei Löcher in die Haut "gestanzt". Was sich dramatisch anhört ist in Wirklichkeit in den meisten Fällen durchaus gut zu verkraften und nicht schmerzvoller als bei anderen Piercings.
Anschließend wird mit einem Werkzeug, dem sog. Taper der Schmuck unter die Haut gesetzt. Da dies nur mit Schmuck mit Innengewinde funktioniert bzw. sinnvoll ist findet sich diese Technik in der Regel auch nur bei Studios die mit Innengewindeschmuck arbeiten.
Der große Vorteil bei korrekter Anwendung dieser Technik ist dass der Stichkanal genau der Form des Schmucks entspricht und somit nach dem Einsetzen keine Spannung entsteht und das Piercing in der Regel problemlos und schmerzfrei verheilen kann.

Bei Techniken mit oder ohne Klemmen die normal mit einer Kanüle gestochen werden sollte in der Regel der Stichkanal etwas länger gewählt werden als der eingesetzte Schmuck. Dadurch ist dies beim verheilen zunächst etwas unangenehmer da es etwas mehr Spannung gibt. Dieser Punkt ist jedoch sehr wichtig damit der Schmuck nach dem Verheilen korrekt sitzt, nicht übersteht und dann durch ständige Belastung gereizt wird. 

Nach wie vor sieht man auch oft "Surface Piercings" bei denen der Schmuck (meist Teflonstäbe) länger ist als der Stichkanal da es ja anschwellen könnte. Eine solche Aussage bei der Beratung sollte Dich dazu veranlassen das Studio schnellen Schrittes zu verlassen, da dies davon zeugt dass sich der Piercer nicht mit Surface Piercings auskennt und es mit ziemlicher Zielsicherheit vermurksen wird.